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Zustand | Stillegung und Rückbau | Skandinavien

2/2007 - Skandinavien vom europäischen Güterverkehr abgetrennt

25.01.2007 - Netzwerk Privatbahnen (Presseerklärung)  

Das Zugunglück in Elmshorn offenbart die Kurzsichtigkeit der DB Strategie

Das Zugunglück zwischen Tornesch und Elmshorn trennt den skandinavi-
schen Güterverkehr für eine ganze Woche von Kontinentaleuropa ab - mit
Folgen für die Wirtschaft in mehreren Ländern. Durch die Entgleisung des
Güterzuges bei Elmshorn ist die einzige für den Güterverkehr nutzbare
Verbindung zwischen Deutschland und Skandinavien über den großen
Belt unterbrochen. Seit Inbetriebnahme dieser Verbindung konzentriert
sich der Güterverkehr allein auf diese nordwestliche Schienenverbindung.
Auf der nordöstlich über Lübeck verlaufenden Trasse (Vogelfluglinie) wur-
de der Güterverkehr eingestellt, Eisenbahnfähren wurden abgezogen,
Ausweichgleise und Zugbildungsanlagen stillgelegt. Auch auf den übrigen 
in Frage kommenden Umleitungsstrecken, wie z. B. Bad Oldesloe - Neu-
münster und Lübeck - Kiel wurde die Infrastruktur durch Abriss von Aus-
weichgleisen und Stilllegung ganzer Bahnhöfe so nachhaltig zurückge-
baut, dass tagsüber Fahrplantrassen nur noch für den vertakteten Nahver-
kehr zur Verfügung stehen. Deshalb kann auf der potentiellen Umleitungs-
strecke Bad Oldesloe - Neumünster tagsüber nicht ein einziger Güterzug
verkehren. Auch der Wiederaufbau und Lückenschluss Bad Oldesloe -
Ratzeburg - Hagenow Land, der nach der Wende intensiv diskutiert wurde,
ist in weite Ferne gerückt.
Bedauerlicherweise sind in Deutschland Kapazitätsreduzierung und Kapa-
zitätserweiterung asymmetrisch organisiert: Für die DB AG ist es relativ
einfach, sukzessiv Gleise stillzulegen. Davon macht sie aus betriebswirt-
schaftlichen Gründen (Kapitalmarktreife) seit Jahren regen Gebrauch. 
Erweiterungen und Verbesserungen des Schienennetzes hingegen bedür-
fen jahrelanger Planungen und Genehmigungen. Das Zugunglück in
Elmshorn zeigt, dass eine rein betriebswirtschaftliche Optimierung des
Schienennetzes zu Lasten des Funktionierens eines reibungslosen euro-
päischen Schienenverkehrs geht. Leidtragende sind Eisenbahnverkehrs-
unternehmen, Spediteure und Verlader in Skandinavien, Deutschland und
Süd- bzw. Osteuropa. Sie alle sind auf eine einzige Schienenverbindung
in Schleswig-Holstein angewiesen.


  
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