| Bilanz und Finanz |
Halbjahresbilanz der DB AG ist eine Mogelpackung |
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30.07.2010 -
Netzwerk Privatbahnen
(Presseerklärung)
Der gerade veröffentlichte Halbjahresbericht der Deutschen Bahn AG ist eine Mogelpackung. Denn er verschleiert das Offenkundige: Geld verdient die Deutsche Bahn AG mittlerweile mit ihrer Infrastruktur und weniger im Kerngeschäft, dem Betreiben von Personen- und Güterzügen. Das gilt zumindest für die nicht subventionierten Fern- und Güterverkehre. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Dr. Rüdiger Grube, feiert die Leistungen seines Unternehmens in der Bilanzpressekonferenz am 28. Juli 2010 wie folgt: „Wir sind zurück auf Wachstumskurs. Beim operativen EBIT konnten wir mit 846 Millionen Euro sogar eine Verbesserung von 26 % im Vergleich zum Vorjahr erreichen.“ Analysiert man das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT), wird deutlich: Die Infrastrukturbereiche Fahrweg, Personenbahnhöfe und Energie haben nur mit 24,5 % (knapp 4 Mrd. €), also einem knappen Viertel, zum Konzernumsatz beigetragen (16,1 Mrd. €). Diese Bereiche erwirtschaften aber 47,3 % (400 Mio. €) und damit fast die Hälfte des gesamten bereinigten Konzern-EBIT (846 Mio. €). Freundlicherweise erwähnt die DB AG, dass der Anteil der Wettbewerbsbahnen am Umsatz der Infrastrukturbereiche von 16,7 auf 18,6 % gestiegen ist. Die Wettbewerbsbahnen tragen also in immer stärkerem Maße zu den Gewinnen der Deutschen Bahn AG bei. Gerade hier hat die Deutsche Bahn AG ein natürliches Monopol, das sie schamlos ausnutzt, denn die erwirtschafteten Gelder werden nicht etwa vollständig in die Infrastruktur reinvestiert - nein, sie fließen in den Konzern. Der Konzern geht dann mit dem Geld, das ihm über völlig überhöhte Trassen-, Stations- und Energiepreise gerade von den Wettbewerbsbahnen zugeflossen ist, auf Shoppingtour und verleibt sich in Europa Wettbewerber ein oder kauft Logistikfirmen auf der ganzen Welt. Nicht vergessen werden soll der Geschäftsbereich DB Bahn Regio, der mit 420 Mio. € zum Konzern-EBIT beigetragen hat. Dieser hat nur einen Umsatzanteil von 23,3 %, hat aber fast 50 % des bereinigten Konzern-EBIT erwirtschaftet. Ein hoher Anteil der Umsätze von DB Regio stammen aus sogenannten „Direktvergaben“, das heißt, aus Leistungen, die noch nie ausgeschrieben wurden bzw. vom Aufgabenträger bewusst nicht ausgeschrieben werden – obwohl der Steuerzahler den Nahverkehr der Deutschen Bahn jährlich mit über 4 Mrd. € bezuschusst. Damit existiert hier ein faktisches weiteres Monopol. Hartmut Gasser, Vorstandsvorsitzender von Netzwerk Privatbahnen, äußerte sich dazu folgendermaßen: „Es ist wirklich eine ungeheure unternehmerische Leistung, fast den gesamten Konzern-EBIT in Bereichen mit faktischen Monopolen zu erwirtschaften.“ In den übrigen Bereichen verdüstert sich das Bild: Der weltweit agierende Bereich DB Schenker Logistics hat seinen EBIT-Anteil massiv gesteigert: Von 0,7 % im ersten Halbjahr 2009 auf sagenhafte 1,6 % im ersten Halbjahr 2010./p> Der Schienengüterverkehr weist trotz boomender Konjunktur nach wie vor ein negatives Ergebnis aus. Nach Steuern und Zinsen ist damit die gesamte Logistiksparte der Deutschen Bahn AG, die 56 % des Konzernumsatzes ausmacht, tiefrot.
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